Aus dem Roman "Attaques sur le chemin, le soir, dans la neige" von Alban Lefranc, Le Quartanier , Montréal/Marseille, 2006
"Attaques sur le chemin, le soir, dans la neige" ist der erste Teil einer Romantrilogie über radikale künstlerische Lebensentwürfe vor dem Hintergrund der deutschen Nachkriegszeit und der Geschichte der RAF.
Im Mittelpunkt stehen der Regisseur Rainer Werner Fassbinder, der Schriftsteller Bernward Vesper und die Sängerin Nico.
Die Trilogie wird im Oktober 2008 bei Blumenbar erscheinen.
"Attaques sur le chemin, le soir, dans la neige" widmet sich dem Regisseur Rainer Werner Fassbinder.
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1977 wirft in München ein Mann mit aufgedunsenem Gesicht, mit unbezwingbar rasendem Blick seinen Freund aus der gemeinsamen Wohnung. Er packt ihn bei den Schultern, schüttelt die wuchtige Masse Fleisch, die ihn eben noch zum Höhepunkt getrieben hatte, reißt brüllend die Tür auf. Er telefoniert in Frankreich und Deutschland herum, von Flugzeugentführung ist die Rede, von Mord in der Zelle. Wenig später wirft er Möbel um.
Fragt man ihn, was er mit seinen Filmen will, so antwortet er Krisen, Krisen auslösen, sehen, was aus der Krise hervorgeht, die Krise ist sein Element, besser ein Paar in der Krise als in einer gelebten Lüge, man steckt nie tief genug in der Katastrophe - der Reporter wagt sich nicht bis zur Frage vor, ob es glückliche Paare gibt. Man versteht nicht alles: Die Müdigkeit in seinem Körper, mehr noch, der Widerstand gegen die Müdigkeit zerstreut seine Worte, bevor sie fast dreißig Jahre später über einem grauen Teppichboden in Paris auf den Fernsehbildschirm gelangen. Seinem erschöpften Atem entsteigen mühsam Sätze, mit aller Kraft schleudert er sie in den Raum. Ein Penner ist das, mit merkwürdigem, bayrischem Tonfall, unter den Münchener Geldsäcken wirkt er wie ein Bauernproll. Ein Penner, kein Falstaff. Man schätzt ihn auf etwa Fünfzig, das unbestimmbare Alter des Säufers unten auf der Straße, den man, wie man überrascht feststellt, bisweilen auch umbringen würde, damit man ihn aus den Augen hat.
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